Der Schweizer Steuerwettbewerb ist ein global einzigartiges Modell: 26 souveräne Kantone mit eigenem Steuergesetz konkurrieren um Unternehmen und natürliche Personen. Dieses föderale System hat historisch zu tiefen Steuersätzen und einer hohen Standortattraktivität geführt (Top-5 im Tax Competitiveness Index der Tax Foundation). Die STAF-Reform (2020) hat die kantonalen Sondersteuerstatus (Holding-, Domizil-, Verwaltungsgesellschaft) abgeschafft — ein Paradigmenwechsel als Antwort auf den OECD/EU-Druck. Die Kantone haben mit Steuersatzsenkungen und neuen OECD-konformen Instrumenten (Patentbox, F&E-Abzug) reagiert. Die OECD-Mindestbesteuerung (Pilier 2, ab 2024) stellt nun den interkantonalen Steuerwettbewerb für Grosskonzerne in Frage: Wenn der minimale ETR 15 % beträgt, verlieren Tiefsteuerkantone wie Zug (11,9 %) ihren Steuervorteil für betroffene Konzerne. Die strategische Frage: Wie kann die Schweiz ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten, ohne auf Steuervorteile zu setzen?
Die Schweiz wurde 2017 von der EU auf eine «graue Liste» nicht-kooperativer Steuergebiete gesetzt und 2018 nach Umsetzung der STAF-Reform wieder entfernt. Dieser Vorgang hat die Schweizer Steuerpolitik nachhaltig verändert: Die internationale OECD/EU-Konformität ist seither ein primärer Faktor bei jeder steuerlichen Gesetzgebung. Die Schweiz ist heute BEPS-konform, nimmt am AIA teil und setzt Pilier 2 um — ein bemerkenswerter Wandel innerhalb von 10 Jahren.
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